5c83f23075c008b0 Was ist Sarkopenie? | neurofelixir®

Die Sarkopenie bezeichnet den mit fortschreitendem Alter zunehmenden Abbau von Muskelmasse und Muskelkraft und die damit einhergehenden funktionellen Einschränkungen des älteren Menschen.

Bei Betroffenen führt dies zu einer Häufung von Stürzen und damit verbundenen Verletzungen. Aufgrund der demografischen Entwicklung mit einer stetig wachsenden Gruppe älterer Menschen wird die Sarkopenie in den Industrienationen eine zunehmend soziologische und ökonomische Rolle einnehmen. Der Begriff Sarkopenie ist eine Wortbildung aus dem Griechischen – sarx steht für "Fleisch" und penia für "Mangel".


Der altersbedingte Muskelschwund kann schon im Alter von 50 Jahren beginnen.

Ab dem 70. Lebensjahr beschleunigt sich der Prozess. Ab einem Alter von etwa 50 Jahren nimmt die Muskelmasse jährlich um etwa 0,8 % ab. Der Verlust an Muskelkraft beträgt zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr etwa 1,5 % pro Jahr, danach sogar etwa 3 % pro Jahr.


Die Ursachen der Sarkopenie

Als Ursachen für den zunehmenden Muskelabbau werden die altersbedingte Verringerung der anabolen (muskelaufbauenden) und ein Überwiegen kataboler (muskelabbauender) Prozesse sowie Fehlfunktionen zellulärer Prozesse in den Muskelfasern angenommen.

Männer und Frauen sind ungefähr gleich häufig betroffen. Die im Alter häufige Mangelernährung (Malnutrition) sowie mangelnde Bewegung und Immobilisation (z. B. bei krankheitsassoziierter Bettruhe) gelten als weitere Ursachen und begünstigen die Sarkopenie.

Die Unterversorgung mit Proteinen ist ein wichtiger Faktor für den Muskelabbau.

Der Bedarf an Protein scheint im Alter erhöht, sodass vermutet wird, dass die Unterversorgung mit Protein ein wesentlicher Faktor für die Entstehung und das Fortschreiten der Sarkopenie ist. Eine Vielzahl von Veränderungen im Skelettmuskel spielt eine Rolle bei der Entstehung der Sarkopenie. So werden funktionelle Einheiten des Muskels (motorische Einheiten) von der Nervenversorgung abgekoppelt und der Muskel wird von Fett- und Bindegewebe infiltriert. Insgesamt nehmen Zahl und Größe der Muskelfasern ab. Daneben kommt es zu einer Ablagerung von Alterspigment im Muskel. In der Summe führen diese Veränderungen jedoch trotz des Verlustes an Muskelmasse nicht zu einem ungewollten Gewichtsverlust (Kachexie). Vielmehr wird bei geriatrischen Patienten eine sarkopenische Adipositas beobachtet.

Sarkopenie ist eine vergleichsweise neue Diagnose.

Die Diagnose Sarkopenie wurde in der ärztlichen Praxis bis 2017 nur selten gestellt. Dies führt auch dazu, dass die Häufigkeit der Sarkopenie und ihre Folgen bisher im klinischen Alltag eher unterschätzt werden. Epidemiologische Studien belegen, dass etwa 5–13 % aller 60–70-Jährigen und bis zu 50 % der über 80-Jährigen von Sarkopenie betroffen sind. Sarkopenie führt oft zu Gebrechlichkeit (Frailty-Syndrom). Für die Analyse der Körperzusammensetzung und damit auch der Muskelmasse wird zurzeit die Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) als Goldstandard angesehen, die jedoch oft nicht standardmäßig verfügbar ist. Eine andere häufig in der Diagnosestellung der Sarkopenie angewendete Methode ist die bioelektrische Impedanzanalyse (BIA).

Kürzlich wurden zwei Definitionen von europäischen bzw. internationalen Expertengremien vorgeschlagen. Beide benutzen für die Diagnosestellung der Sarkopenie eine erniedrigte Muskelmasse und eine Verringerung der Ganggeschwindigkeit. Liegt die Muskelmasse des Betroffenen, die mit den oben genannten Methoden ermittelt wurde, 2 Standardabweichungen unterhalb des Mittelwertes einer gesunden jungen Referenzgruppe gleichen Geschlechts und gleichen ethnischen Hintergrundes und besteht eine Verlangsamung der Ganggeschwindigkeit auf weniger als 0,8 m/s, so ist demnach die Diagnose einer Sarkopenie zu stellen.  


Hilft Krafttraining die Sarkopenie vorzubeugen?

Die Behandlung der Sarkopenie stellt im klinischen Alltag immer noch eine Herausforderung dar. Krafttraining gilt als geeignet, der Entstehung einer Sarkopenie vorzubeugen. Daneben ist Krafttraining geeignet, die Ganggeschwindigkeit und die Muskelkraft insgesamt zu verbessern. Nachteil ist, dass das Training zwar zu einer Verbesserung dieser Parameter führt, dass aber schnell ein Plateau erreicht wird und weiteres Training zu keinen weiteren Erfolgen führt.


Die Rolle der Proteinen und Aminosäuren

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Erhöhung der Proteinaufnahme und vor allem der aufgenommenen Menge an den verzweigtkettigen Aminosäuren Leucin, Isoleucin oder Valin förderlich für die Prävention und Behandlung der Sarkopenie sind.

So kann über die Erhöhung der Proteinneubildung im Muskel eine Steigerung der Körpermagermasse erreicht werden. In einer Reihe unabhängiger Studien wurde gezeigt, dass eine ergänzende bilanzierte Diät mit essenziellen Aminosäuren, zu denen auch die vorgenannten verzweigtkettigen Aminosäuren gehören, günstige Effekte auf die Muskelkraft, die Laufgeschwindigkeit und auch die Herzmuskelkraft haben kann. Eine genaue Abstimmung des Verhältnisses der verschiedenen Aminosäuren ist dabei allerdings unabdingbar.  

Neben dem Muskelaufbau durch Trainingstherapie ist eine spezielle Ernährungsmedizin und -beratung wichtig, da eine geschwächte und reduzierte Muskulatur nur unzureichend trainierbar ist.

Sarkopenie und Demenz

Im Rahmen einer Demenz kommt es auch zu Störungen in der neuro-muskulären Signalübertragung mit der Folge von Stürzen und Sarkopenie. 

Demenz kann als Endstadium der Alterungsprozesse im Gehirn verstanden werden. Die Nervenzellen sind durch verschiedene Faktoren beschädigt: freie Radikale, Entzündung, fehlende Energieproduktion und Ablagerung von giftigen Eiweißen sowie anderen schädlichen Substanzen. Werden die Nervenzellen im Gehirn nicht ausreichend mit Nährstoffen und Energie versorgt, sterben sie im Alter ab, wodurch die mentale Leistungsfähigkeit immer weiter abnimmt. Vergesslichkeit, Wortfindungsstörungen und Schwierigkeiten bei der Orientierung in Raum und Zeit können erste Hinweise für eine Alzheimer-Demenz sein.

Immer mehr Studien zeigen die enge Verbindung zwischen Darm und Nervenzellen im Gehirn. In Fachkreisen spricht man von der Mikrobiom-Darm-Gehirn-Achse. Die wichtigen Darmbakterien sind in der Lage, komplexe kognitive Funktionen wie die Gedächtnisleistung, das Lernvermögen, die Aufmerksamkeit, die Kapazität, Probleme zu lösen und sogar die Kreativität positiv zu beeinflussen und zu stärken. Das Mikrobiom steht seit einigen Jahren im Fokus der medizinischen Wissenschaft. Die Ernährung und die Zufuhr von wichtigen neuroprotektiven Vitalstoffen steht dabei im Mittelpunkt.